Große Heiterkeit im Saal in Neumünster bei der Gründungsveranstaltung des Landesverbands der Generation Deutschland (GD) am 19.01.2026: Als der Sitzungsleiter Julian Flak dem designierten Landesvorsitzenden der neuen AfD-Jugendorganisation, dem Ahrensburger Jasper Griebel, „die Frage stellen muss“, ob ein aktuelles polizeiliches Führungszeugnis denn Einträge enthielte, kann sich dieser bei seinem „Nein!“ als Antwort das Lachen nicht verkneifen. Auch das zumeist männliche Publikum begleitet Frage und Antwort mit großer Belustigung und Applaus. Der NDR kommentiert die Szene in seinem Beitrag vom Gründungstag folgendermaßen: „Ärger mit der Justiz – für die Mitglieder der Generation Deutschland offenbar ein Gütesiegel.“

Worauf der NDR hier anspielt, ist der Umstand, dass Griebel in einem Gerichtsverfahren vom Amtsgericht Tiergarten wegen versuchter Körperverletzung in erster Instanz verurteilt wurde. Nach Einlegung Berufung wurde das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Einen Freispruch gab es nicht. Aber es reicht, um dem Sitzungsleiter die selbstsichere Antwort hinsichtlich seines Führungszeugnisses geben zu können. Und es reicht, um für großes Gejohle unter den Anwesenden zu sorgen. Es ist etwas irritierend, wie viel kindliche Freude die Mitglieder des AfD-Jugendverbandes allein darüber zum Ausdruck bringen, dass ihr Landesvorsitzender keine Einträge im polizeilichen Führungszeugnis hat.
Auf politischen Demonstrationen ist der Mann aus Ahrensburg schon lange unterwegs. Ab 2019 besuchte er die „Merkel-muss-weg“- bzw. „Michel-wach-auf“-Demonstrationen, vor denen der Verfassungsschutz warnte, weil hier Rechtsextremisten im Hintergrund stünden. Da das Leben für den Nachwuchs-Rechtsextremisten offenbar nicht allein aus Demonstrationen bestehen soll und die AfD als Sammelbecken für alles dient, was rechts des demokratischen Spektrums kreucht, fand Griebel hier seine politische Heimat. Er brachte es sogar zum stellvertretenden Kreisvorsitzenden in Stormarn. In der Parteijugend, der Jungen Alternativen (JA), schaffte er es zum Regionalvorsitzenden in Südholstein. Nach der strategisch bedingten Auflösung der JA und dem Gründungstag der GD in Gießen, auf dem mit Kevin Dorow ein anderer prominenter Nachwuchspolitiker der AfD aus Schleswig-Holstein das Motto der HJ zum besten gab, schaffte es Griebel nun Anfang 2026 an die Spitze des Jugendverbandes hier im Land.
Noch einmal zurück zum Verfahren um den Vorfall bei der „Querdenker“-Demonstration. Griebel wurde dabei zur Last gelegt, mit einer weiteren Person am Rande einer „Querdenker“-Demonstration an einem Angriff auf einen Journalisten beteiligt gewesen zu sein. Der konkrete Vorwurf lautete auf versuchter Körperverletzung und versuchter Nötigung. Der Mann aus Ahrensburg behauptet dazu, er habe sich nur verteidigt. Wie oben bereits erwähnt: Für einen Freispruch hat diese Erzählung nicht gereicht.
„Das Recht auf Selbstverteidigung“ bleibt für Griebel bei seiner Distanzierung von Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele unberührt, wie er gegenüber den Kieler Nachrichten bzw. Lübecker Nachrichten äußert, und Selbstverteidigung sei es auch gewesen, als bei einer anderen Gelegenheit aus einer Gruppe, in der Griebel sich befand, aus kurzer Distanz mit einer Gas- oder Schreckschusspistole in Richtung einer Gruppe Antifaschist*innen geschossen wurde. Verletzt wurde zum Glück niemand.
Interessant ist, was Griebel laut LN zur Frage zu sagen hat, wie er sich von gewaltbereitem Extremismus und neonazistischen Strukturen abgrenze: „Pauschale Abgrenzungen liegen mir fern, da ich weiß, dass politische Reifeprozesse Zeit brauchen und junge Menschen sich oft erst orientieren müssen.“ Er möchte "diesen Idealismus aufzugreifen und in konstruktive, legale Bahnen“ lenken, so Griebel. Um es deutlich festzuhalten: Was der GD-Vorsitzende hier gegenüber der Presse äußert, ist kein Bekenntnis zur Demokratie. Extremismus und Neonazismus an sich sind nicht strafbar. Griebel distanziert sich auf Nachfrage der Zeitung in keiner Weise von beidem, sondern – vorgeblich - nur von der Durchsetzung von politischen Zielen mit illegalen Mitteln. Eine Zerstörung der Demokratie von innen schließt dies nicht aus.
Erwähnenswert ist noch eine Gelegenheit, bei der Griebel bereits im Frühjahr 2025, also nicht ganz ein Jahr vor seiner Wahl zum GD-Landesvorsitzenden, in Erscheinung trat. Fotos zeigen ihn auf einem Event, welches das Verfassungsschutzbehörde Schleswig-Holsteins in ihrem Bericht für das Jahr 2025 im Abschnitt über rechtsextremistische Bestrebungen im Land thematisiert (Landesverfassungsschutzbericht 2025, S.71). Am 29.03.2025 fand in der Gaststätte „Alter Bahnhof“ in Nordhastedt ein Rechtsrock-Konzert unter dem Motto "Abschiebehauptmeisterparty" statt, inklusive „HKENKRZ“-T-Schirts, „White-Power“-Handzeichen und dem nunmehrigen GD-Landesvorsitzenden als Besucher.
Bildquelle: https://pixelarchiv.org/event/2025.03.29.nordhastedt/1
Für den Betreiber der Gaststätte, den damaligen AfD-Kreisvorsitzenden Mario Reschke. hatte die Veranstaltung Konsequenzen. In Zusammenhang mit diesem Abend kam es zu einem Parteiausschlussverfahren gegen Reschke. Dass sich unter den Besuchern dieses Konzerts – nebst einer Reihe anderer junger Männer in AfD-Jacken – auch Jasper Griebel befand, spielt für den AfD-Landesverband offenbar keine Rolle. Für die Delegierten des Gründungstags der „Generation Deutschland“ in Schleswig-Holstein, die Griebel zu ihrem Vorsitzenden wählten, auch nicht.
Und was befindet sich auf der politischen Agenda des neuen GD-Vorsitzenden? Wenig überraschend nennt Griebel in seiner Rede auf dem Gründungstreffen in Neumünster „Remigration und Demografie Schlüsselfragen unserer Zeit“, er wolle "Platz und Sicherheit für unser eigenes Volk zurückgewinnen". Auch die Idee nach einem Wiedereinstieg in die Atomkraft ist mit Blick in die Programme der Mutterpartei wenig originell. Schließlich folgt noch die Forderung nach eigenen Atomwaffen für Deutschland.
Nun ist es an der Tagesordnung, aus der AfD Äußerungen zu hören, die entweder unsinnig oder widerwärtig, häufig genug sogar beides gleichzeitig sind. Zur Forderung nach deutschen Atomwaffen ist zu sagen, dass einmal mehr ein AfD-Vertreter seinen dumpfen Nationalismus demonstriert und was er von internationalen Vereinbarungen und Verträgen hält, welche die Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet hat. In diesem Fall den Atomwaffensperrvertrag und die 2+4-Verträge.
Forderung nach Atomwaffen und Abschiebungen: AfD-Jugendorganisation wählt Landesvorsitzenden
Die Jugendorganisation der AfD, “Junge Alternative”, wurde vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft - und löste sich vergangenes Jahr auf. Nun hat die AfD SH eine neue Jugendorganisation gegründet - und einen Vorsitzenden gewählt.
https://www.ln-online.de/lokales/stormarn/afd-jugend-schleswig-holstein-jasper-griebel-rechtsextreme-verbindungen-EKUGIFRRLNAZVEJT6A7CPVIR2M.html
https://www.kn-online.de/schleswig-holstein/afd-jugend-schleswig-holstein-jasper-griebels-rechtsextreme-verbindungen-EKUGIFRRLNAZVEJT6A7CPVIR2M.html
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