Alexis Giersch aus dem Kreisverband Plön ist einer der fünf aktuellen Bundestagsabgeordneten der AfD aus Schleswig-Holstein. Zuvor saß er bereits für die Partei im Kreistag von Plön. Über seine Social-Media-Kanäle und in Kandidaten-Portraits in Presse und Fernsehen zu den Landtagswahlen 2022 und den Bundestagswahlen 2021verbreitet er die bekannten AfD-Phrasen bis hin zu realitätsverweigerndem und unwissenschaftlichem Unsinn, dass der Klimawandel nicht menschengemacht und das Corona-Virius auch nicht so gefährlich gewesen sei. Soweit nicht originell.
Interessant wird es an anderen Stelle: Laut seinem Wikipedia-Eintrag ist Giersch „Alter Herr“ der schlagenden Verbindung „Hamburger Burschenschaft Germania“. Tatsächlich gibt es einen Post auf der Facebook-Seite der „Deutschen Burschenschaft“ vom 25.02.2025, in dem sie diversen ihrer Mitglieder zum Einzug in den Bundestag gratuliert. Allen genannten Männern ist dies übrigens auf Ticket der AfD gelungen. Auch Herr Giersch befindet sich darunter.

Bei der „Deutschen Burschenschaft“ handelt es sich um einen Dachverband deutscher und österreichischer Studentenverbindungen. Die Burschenschaftler mögen sich noch so sehr als urdemokratisch gerieren. Was ihre Rolle im Hier und Jetzt betrifft, kann man diese Haltung getrost bezweifeln. Auch wenn der Verfassungsschutz noch keinen Anlass sieht, die Vereinigung als Ganzes zu beobachten: Viele der dort ursprünglich zusammengeschlossen Verbindungen konnten den strammen Rechtskurs einiger der kooperierten Burschenschaften nicht mehr mitgehen. Die Zahl der Mitglieder hat sich aus diesem Grund in den letzten Jahren drastisch reduziert, fast halbiert.
Die „Germania“, zu deren „Alten Herren“ Alexis Giersch gehört, ist weiterhin Mitglied der „Deutschen Burschenschaft“. Es lohnt sich, diese Studentenverbindung etwas näher zu betrachten. Zwar darf das Landesamt für Verfassungsschutz Hamburg die „Germanen“ aus rechtlichen Gründen nicht mehr namentlich als „gesichert rechtsextremistisch“ in seinem Bericht erwähnen, was es über Jahre getan hat. Unter Beobachtung durch das Landesamt steht die Verbindung - Stand 2022 - gleichwohl, und auch der NDR bezeichnet sie weiterhin als rechtsextremistisch. Im Verbindungshaus der Germania gaben sich jahrelange alle Spielarten des Rechtsextremismus ein Stelldichein: NPD-Kader, Holocaust-Leugnende, Geschichtsrevisionisten und Identitäre. Veranstaltungen der Burschenschaftler werden häufig begleitet von massiven antifaschistischen Protesten. Auch die Anwohner des Verbindungshauses wehrten sich gerichtlich gegen die lautstarken Saufgelage der Burschenschaftler, bei denen dann wohl schon einmal „Heil Hitler“- und „Sieg-Heil“-Rufe zu hören waren. Nach einer Reihe von Vorfällen, u.a. einer Veranstaltung am 20. April 2018 – Hitlers Geburtstag – wurde schließlich ein Ordnungsgeld in Höhe von 12.000 Euro verhängt. Die Burschenschaft zog mit Sack und Pack von Winterhude nach Marienthal um.
Dass Herr Giersch seine Mitgliedschaft in der Burschenschaft noch pflegt, zeigt ein Ereignis aus der jüngeren Vergangenheit. Im Frühsommer 2025 war der der AfD-Mann als Gast für eine ganz spezielle Veranstaltung in Österreich angekündigt. Der „Freiheitliche Akademikerverband“ lud ein zur „Sonnwendfeier […] im Verein mit den Salzburger waffenstudentischen Schüler- und akademischen Studentenverbindungen“. Die Zeitung „Der Standard“ bezeichnete die Feier als „Vernetzungstreffen der rechten Burschenschafterszene aus Österreich und Deutschland". Dem AfD-Mann aus Norddeutschland war dabei eine besondere Ehre angedacht: Er sollte die „Feuerrede“ halten. Zum „Freiheitlichen Akademikerverband“ gehört auch die Burschenschaft „Gothia zu Salzburg“, die auf ihrer Facebook-Seite die Veranstaltung folgerichtig auch bewarb – kurz unter einem Beitrag, in dem man den rechtsextremen Terrorismus in Süd-Tirol in den 1960er-Jahren ehrte. Als Organisator der Sonnwendfeier fungierte Reinhold Rebhandl, Mitglied sowohl des „Freiheitlichen Akademikerverbandes“ als auch der „Gothia“. Rebhandl war FPÖ-Funktionär und Kandidat bei den Landtagswahlen 2018. Ihm wurden wiederholt Nähe zur Identitären Bewegung und Huldigung von Rechtsterrorismus vorgeworfen. Zudem existieren Fotos des jugendlichen Rebhandl auf einer Veranstaltung der extrem rechten NDP, einer mittlerweile in Österreich verbotenen Partei.
Natürlich ist Herr Giersch nicht dafür persönlich verantwortlich zu machen, wenn irgendwelche Saufnasen seiner Studentenverbindung „Sieg Heil“ schreien oder sonstige NS- und Hitler-Verehrungen an den Tag legen. Auch die Aktivitäten eines österreichischen Rechtsextremisten, der eine Veranstaltung organisiert, zu der Giersch eingeladen ist, lassen sich ihm nicht unmittelbar ankreiden. Andererseits wird sich Herr Giersch auch nicht damit herausreden können, mit all dem nichts zu tun zu haben – wenn er es denn überhaupt versuchen sollte. Das oben Geschilderte ist einfach bezeichnend dafür, in welchem Milieu sich die Personen bewegen, die für die AfD auftreten und für sie in den Parlamenten sitzen. Und es zeigt die Vernetzung der AfD im extrem rechten Spektrum - sogar über nationale Grenzen hinaus.
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