Volker Schnurrbusch ist stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in Schleswig-Holstein. Von 2017 bis 2022 saß er für die Partei im Schleswig-Holsteinischen Landtag. Er war also Teil jenes zerstrittenen Haufens, der sich im Landtag selbst so zerlegt hat, dass es am Ende nicht einmal mehr für den Fraktionsstatus reichte.
Im Landtag fiel Schnurrbusch z.B. auf durch eine Rede am 27.01.2022 auf, die vor Verständnis für Putins Russland nur so trieft. Er spricht darin von Drohungen und Säbelrasseln aus dem Westen in Richtung Russlands und vom „Ring“, den der Westen unter der Führung der USA seit Jahren immer enger um Russland gezogen habe. Dafür erntete Schnurrbusch den Zwischenruf eines Abgeordneten in Form der Frage, ob seine Rede in Moskau geschrieben worden sei. Vier Wochen später überfielen russische Truppen die Ukraine.
Beim rechtsextremen Vernetzungstreffen „Tag des Vorfelds“ war Schurrbusch als einer der Vertreter aus dem Landesvorstand der Schleswig-Holsteinischen AfD neben dem Landesvorsitzenden Kurt Kleinschmidt und dem Organisator der Veranstaltung Kevin Dorow anwesend. Außerdem gab Schnurrbusch schon vorab für die AfD eine Stellungnahme zum Treffen ab und schirmte es gegen Kritik ab.
Bei der Europawahl 2024 verpasste Schnurrbusch den Einzug ins Parlament in Brüssel nur knapp, wurde dafür im Februar 2025 für die AfD in den Bundestag gewählt. Da seinem rechtsextremen Parteikollegen Maximilian Krah das ebenfalls gelang und dieser darauf sein Mandat im EU-Parlament aufgab, bestand für Schnurrbusch die Wahl, für diesen dort nachzurücken oder sein gewonnenes Bundestagsmandat anzutreten. Tatsächlich entschied er sich gegen Berlin und für Brüssel.
Ebenso wie Maximilian Krah, der schon mal eine Lanze für die Männer der SS bricht, hat auch sein Nachfolger im EU-Parlament seine ganz spezielle Blickweise auf die deutsche Vergangenheit. Zum 79. Jahrestag der Kapitulation der Reichswehr vom 08.05.1945 veröffentlichte Schnurrbusch am 08.05.2024 einen Kommentar zum Kriegsende, ein Jahr später immer noch abzurufen auf der Seite des AfD-Landesverbandes, der einen fassungslos zurücklässt.
Dem stellvertretenden Landesvorsitzenden der Partei gelingt es tatsächlich, einen Text mit dem Titel „Der 8. Mai – Kein Grund zum Feiern“ von ca. 250 Worten über die Leiden der Menschen nach dem Weltkrieg zu verfassen, in dem ausschließlich von deutschen Opfern die Rede ist.

(Quelle: Homepage der AfD in Schleswig-Holstein, abgerufen am 06.06.2025)
Kein Wort von der nationalsozialistischen Herrschaft, die mit dem 8. Mai 1945 zum Glück für die ganze Menschheit ihr Ende gefunden hat. Kein Wort darüber, dass dieser Krieg und alles, was wir mit ihm verbinden, Mord, Flucht, Vertreibung, Bombenkrieg, Kriegsgefangenschaft, Not und Elend von deutschem Boden ausging. Kein Wort darüber, dass Zerstörungen und Kriegstote – vor allem auch unter den Zivilisten – in anderen, von Deutschland überfallenen Ländern bei Weitem über das hinausging, was Deutschland in der Niederlage erleben musste. Deutschland führte in Osteuropa einen Eroberungs- und Vernichtungskrieg, in dem die Nationalsozialisten nicht allein eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Staaten sahen, sondern in der es auch die komplette Zerstörung staatlicher Existenzen und um die Gewinnung von "Lebensraum" für die eigene Bevölkerung ging. Dabei störte die Bevölkerung dieser Gebiete. Diese sollte weichen müssen – mit welchen Mitteln auch immer.
Diese verbrecherische Politik führte in diesen Ländern zu einer menschlichen Katastprophe mit Millionen von Toten. Die vom NS-Regime dafür einkalkulierten Opferzahlen waren noch erheblich höher. Zu noch mehr Opfern ist es nur nicht gekommen ist, weil die Kriegsziele nicht erreicht wurden und Deutschland den Krieg verloren hat.
Nur an einer Stelle des Textes findet sich bei Schnurrbusch ein versteckter Hinweis auf die deutschen Verbrechen – vermutlich ein aus dem Unbewussten resultierender Fauxpas: Schnurrbusch reiht unter die Dinge, die die Menschen in Deutschland auszustehen gehabt hätten, auch die „Angst vor Vergeltung“ ein. Diese Angst war gegen Ende des Weltkrieges tatsächlich verbreitet. Aber Angst vor Rache kommt nicht aus dem Nichts und setzt immer etwas voraus, das gerächt werden könnte. Dafür wiederum gab es genügend Anlass. Viele befürchteten, dass etwa das, was sie an Behandlung der Jüdinnen und Juden, der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Deutschland erlebt hatten, oder dass das, was sie über die Kriegsführung im Osten durch Feldpostbriefe der Angehörigen oder Berichte von Fronturlaubern erfahren hatten, auf Deutschland zurückschlagen würde.
Auch unter Deutschen verursachte der Weltkrieg unermessliches Leid, und unter denen, die solches zu erleiden hatten, waren auch vollkommen unschuldige Menschen, die niemals etwas mit dem NS-Regime oder deutschen Verbrechen in anderen Ländern zu tun hatten. Jedoch die Leiden der deutschen Bevölkerung zu thematisieren, ohne die der Menschen in den von Deutschland überfallenen Ländern auch nur zu erwähnen, ist inakzeptabel. Die Folgen des Zweiten Weltkriegs zu beklagen, ohne die deutsche Verantwortung dafür zu benennen, ist schamlos. Über den 8. Mai 1945 zu schreiben, ohne den Nationalsozialismus auch nur mit einer Silbe zu erwähnen, ist atemberaubend unverschämt.
Was wir hier erleben, ist das, was wir uns unter einer der Wende der Erinnerungskultur vorstellen können, welche die AfD propagiert. Geschichte stellt dabei nicht mehr den Versuch dar, ein möglichst fakten- und quellenbasiertes Bild der Vergangenheit zu rekonstruieren, sondern verkommt zum bloßen politischen Instrument. Es geht dabei nicht darum, einen Entwurf davon zu erstellen, was in der Vergangenheit tatsächlich war. Vielmehr zeichnet man ein Bild der Vergangenheit, das man gern hätte. Dieses Bild dient dann dazu, die eigenen politischen Positionen zu legitimieren und für die eigenen politischen Ziele mobilisieren.
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